Warum die Messung von Parkinson-Symptomen relevant ist

Ein Parkinson-Patient mit einem Messgerät am Arm, der ein Spiel spielt

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung. Krankheitsmodifizierende Therapien stehen bislang nicht zur Verfügung. Es gibt jedoch verschiedene medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungsansätze zur Symptomkontrolle. Ein detailliertes Verständnis der individuellen Symptomatik ist entscheidend, um Einnahmezeitpunkte und Dosierungen der Medikamentengabe anzupassen, additive Therapien abzuwägen und den richtigen Zeitpunkt für eine Eskalation auf fortgeschrittene Behandlungsoptionen zu bestimmen.

Heute werden das Vorliegen und das Fortschreiten der Parkinson-Krankheit hauptsächlich durch klinische Untersuchungen während zeitlich begrenzter Termine und mit Hilfe von Angaben der Patienten festgestellt. Dieser Ansatz weist jedoch inhärente Einschränkungen auf, die häufig zu einer unvollständigen Erfassung der Symptome und zu einer unzureichenden Beurteilung des Krankheitsverlaufs führen.

Die Messung von Parkinson-Symptomen soll die klinische Beurteilung ergänzen und Ärzten ein ganzheitlicheres Bild vom Zustand eines Patienten vermitteln, indem Symptomdaten über einen längeren Zeitraum hinweg und im häuslichen Umfeld erhoben werden. Longitudinale Symptomdaten aus dem Alltag können die klinische Einschätzung verbessern und fundiertere Therapieentscheidungen unterstützen.

Detaillierte Symptomdaten für eine individualisierte Behandlungsplanung

Objektive Messungen ermöglichen eine unauffällige Erfassung von Symptomdaten im Alltag des Patienten. Durch die Erhebung in der vertrauten häuslichen Umgebung lässt sich der tatsächliche tagesabhängige Zustand besonders gut abbilden.

Viele Patienten haben zudem Schwierigkeiten, ihre Symptome zu beschreiben, und neigen dazu, die Schwere der selbst wahrgenommenen motorischen Symptome zu über- oder unterschätzen. Darüber hinaus können kognitive Beeinträchtigungen sowie Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit und Konzentration die Fähigkeit eines Patienten beeinträchtigen, sich an die erlebten Symptome zu erinnern und diese im Arztgespräch zu schildern.

Eine Messung kann diese Lücke schließen und über die klinische Untersuchung hinaus detaillierte Symptomdaten bereitstellen. Dies ermöglicht die Erkennung kritischer Phasen und unterstützt die Entwicklung hochgradig individualisierter Behandlungspläne zur Symptomkontrolle.

Erkennung von Fluktuationen

Bei Patienten, die Levodopa einnehmen, treten häufig behandlungsassoziierte Komplikationen wie Fluktuationen und Dyskinesien auf. Erste Daten deuten darauf hin, dass pro Jahr der Levodopa-Exposition etwa 10 % der Menschen mit Parkinson motorische Fluktuationen entwickeln (Aradi et al. 2020). Bei der Behandlung der Parkinson-Krankheit stellen Fluktuationen eine der größten Herausforderungen dar.

Durch Messungen lassen sich detailliertere Informationen darüber gewinnen, wann Symptome schwanken, problematische Zeiträume schneller identifizieren und Medikationsschemata so anpassen, dass Symptome bestmöglich kontrolliert und gleichzeitig therapiebedingte Komplikationen auf ein Minimum reduziert werden.

Optimierung der Therapie

Eine detaillierte Übersicht über die Symptomatik des Patienten ist entscheidend für eine optimale Kontrolle der Symptome und die Vermeidung motorischer Fluktuationen, insbesondere in den späteren Stadien der Erkrankung.

Die Messung unterstützt das klinische Ziel der Therapieoptimierung, indem sie Symptome erfasst und deren Verlauf sowie deren Veränderungen über die Zeit sichtbar macht.

Die objektive Messung der Symptome im Rahmen der Parkinson-Behandlung kann zu wirksameren Therapieinterventionen und einer Verbesserung der motorischen Beeinträchtigung beitragen (Antonini et al. 2023; Woodrow et al. 2020).

Bewertung der Behandlungswirksamkeit

Die regelmäßige Beurteilung der Symptome mithilfe von Wearables hat gezeigt, dass sie verlässlichere Einblicke in den Symptomverlauf und die Wirksamkeit der Behandlung ermöglichen (Adams et al. 2024). Symptome werden dadurch besser beobachtbar und zwischen Arzt- oder Klinikbesuchen vergleichbar, sodass Ärzte Symptommuster und -trends erkennen können. Darüber hinaus helfen regelmäßige Messungen, die Wirksamkeit der Behandlung objektiv zu überwachen und die Versorgung besser auf die Bedürfnisse des Patienten abzustimmen.


Studien zeigen, dass die kontinuierliche Überwachung eine entscheidende Rolle für die Qualität der Behandlung eines Patienten spielt, da das medizinische Personal den Krankheitsverlauf besser verfolgen und die Medikation anpassen kann.

Trotz der Verfügbarkeit innovativer Technologien zur Erkennung und Quantifizierung von Symptomen und deren Fluktuationen bleiben die Interpretation und die klinische Einordnung Aufgaben der behandelnden Ärzte (Müller et al. 2024).

 

Quellen:

Adams, J.L., Kangarloo, T., Gong, Y., Khachadourian, V., Tracey, B., Volfson, D., Latzman, R.D., Cosman, J., Edgerton, J., Anderson, D., et al., Using a Smartwatch and Smartphone to Assess Early Parkinson’s Disease in the WATCH-PD Study over 12 Months, npj Park. Dis., 2024, 10, 112.

Antonini, A., Reichmann, H., Gentile, G., Garon, M., Tedesco, C., Frank, A., Falkenburger, B., Konitsiotis, S., Tsamis, K., Rigas, G., Kostikis, N., Ntanis, A., Pattichis, C., Toward objective monitoring of Parkinson's disease motor symptoms using a wearable device: wearability and performance evaluation of PDMonitor®, Frontiers in Neurology, Volume 14, 2023, https://doi.org/10.3389/fneur.2023.1080752.

Aradi, S.D., Hauser, R. A., „Medizinische Behandlung und Prävention motorischer Komplikationen bei der Parkinson-Krankheit“, Neurotherapeutics, Band 17, Ausgabe 4, 2020, Seiten 1339–1365, https://doi.org/10.1007/s13311-020-00889-4.

Müller, T., Buhmann, C., Delf, M., Klostermann, F., Kupsch, A., Lipp, A., Müngersdorf, M., von Pannwitz, W., Südmeyer, M., Standpunkte von Klinikern zu aktuellen Paradigmen in der Versorgung und Forschung bei der Parkinson-Krankheit, J Neural Transm 131, Seiten 1455–1462, 2024, https://doi.org/10.1007/s00702-024-02822-x.

Woodrow, H., Horne, M.K., Fernando, C.V., Kotschet, K.E. et al., A blinded, controlled trial of objective measurement in Parkinson’s disease, npj Parkinsons Dis. 6, 35, 2020, https://doi.org/10.1038/s41531-020-00136-9.

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