Parkinsonversorgung in Deutschland: stark aufgestellt – und doch nicht überall gleich gut zugänglich
Deutschland ist in der Neurologie insgesamt stark aufgestellt. Dies zeigt sich auch in der Parkinsonversorgung. Etablierte neurologische Expertise, Leitlinienorientierung und wachsende multiprofessionelle Netzwerkstrukturen bieten eine hohe Versorgungsqualität.
In vielen Regionen gibt es erfahrene Neurolog:innen, spezialisierte Ambulanzen und Kliniken, Therapeut:innen sowie eine wachsende Anzahl strukturierter Versorgungsangebote. Für Patient:innen bedeutet dies eine frühe, fundierte neurologische Einordnung sowie ein breites Spektrum an medikamentösen und nichtmedikamentösen Therapieoptionen.
Die Parkinson-Forschung hat in den letzten Jahren entscheidende Fortschritte gemacht, was 2023 zu einer vollständigen Überarbeitung der S2k-Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Parkinson-Krankheit geführt hat, mit dem Ziel, die klinische, die ambulante und die stationäre Versorgung von Menschen mit Parkinson weiter zu verbessern. Hier stehen besonders eine frühzeitige und differenzierte Diagnose sowie eine individuelle Therapie im Fokus.
Ein weiterer, besonders wichtiger Fortschritt in der Parkinsonversorgung ist die multiprofessionelle Zusammenarbeit. Parkinson-Netzwerke machen sich für eine interdisziplinäre Zusammenarbeit stark und verbinden regional oder überregional Fachleute und Institutionen aus allen Berufsgruppen, die an der Versorgung von Menschen mit Parkinson beteiligt sind.
Trotz guter Strukturen und ständigem Fortschritt bestehen jedoch immer noch erhebliche Herausforderungen bei der Versorgung von Patienten – vor allem in ländlichen Regionen. Der Zugang zu spezialisierter neurologischer Versorgung kann je nach Region variieren und mit erheblichen Wartezeiten sowie langen Wegstrecken verbunden sein. Dies bedeutet für Betroffene oft Unsicherheit, Verzögerungen in der Therapieanpassung und unnötige Belastung.
Ich würde mir den Einsatz innovativer Technologien wünschen, um Patienten flächendeckend eine hochwertige Versorgung bieten zu können. Insbesondere Wearables können uns bei einer genaueren Symptomerfassung im Tagesverlauf unterstützen, damit die Zeit in der fachärztlichen Sprechstunde möglichst effektiv genutzt werden kann. Optimalerweise ermöglichen sie uns auch einen Einblick in die Symptomlast, wenn wir den Patienten nicht regelmäßig sehen können.
Über PD Dr. Annette Rogge
PD Dr. Annette Rogge ist Fachärztin für Neurologie an der Nordseeklinik Helgoland. Ihr beruflicher Werdegang umfasst eine langjährige Tätigkeit an den Segeberger Kliniken auf der Spezialstation für Parkinson und Bewegungsstörungen. Im wissenschaftlichen Bereich hat sie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel unter anderem in der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. med. Daniela Berg an der Ethik der Aufklärung in den frühen Stadien der Parkinson-Erkrankung gearbeitet.
Quellen:
Presseinformation der Deutschen Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen (DPG) zur neuen Leitlinie zur Diagnose und Therapie der Parkinson-Krankheit, 20. November 2023, https://parkinson-gesellschaft.de/images/231121_DPG_PM_Neue_Leitlinie_Parkinson.pdf
Parkinson Netzwerke Deutschland e.V., https://www.parkinsonnetzwerke.de/
Kurzmeldung „heute im bundestag“ (hib), Gesundheit – Antwort – hib 722/2020, Versorgung von Parkinson-Patienten, 7. Juli 2020, https://www.bundestag.de/webarchiv/presse/hib/2020_07/704998-704998